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Leadership beginnt dort, wo Fehler passieren: Warum eine starke Failure Culture entscheidend ist

In vielen Organisationen wird Innovation als Erfolgsgeschichte erzählt. Neue Produkte, Wachstum, Durchbrüche. Doch ein zentraler Bestandteil innovativer Unternehmenskulturen bleibt oft im Hintergrund: der konstruktive Umgang mit Fehlern. Genau hier setzt Dejan Stojanovic mit seinem Ansatz zur sogenannten Failure Culture an.

Dejan Stojanovic

© Dejan Stojanovic

Für Stojanovic steht fest: Eine gesunde Innovationskultur entsteht nicht dadurch, dass Fehler vermieden werden – sondern dadurch, wie Organisationen mit ihnen umgehen. Gerade in technologiegetriebenen Unternehmen gehören Fehlentscheidungen, gescheiterte Projekte oder unerwartete Rückschläge zum Alltag. Entscheidend ist jedoch, ob diese Erfahrungen offen reflektiert werden oder im Verborgenen bleiben.

Warum Führungskräfte eine Schlüsselrolle spielen

Im Zentrum seiner Arbeit steht die Rolle von Führungskräften. Eine echte Failure Culture wird nicht durch Leitbilder oder Unternehmenswerte geschaffen, sondern durch konkretes Verhalten im entscheidenden Moment – nämlich dann, wenn etwas schiefgeht.

Wie Führungskräfte über Fehler sprechen, ob sie Verantwortung übernehmen und wie transparent sie mit Problemen umgehen, prägt maßgeblich die Kultur eines Teams. Offene Kommunikation über Fehlentscheidungen kann Vertrauen schaffen, Lernprozesse beschleunigen und langfristig Innovation fördern.

Lernen aus realen Fehlschlägen

Ein wichtiger Bestandteil von Stojanovics Perspektive ist die Analyse realer Unternehmensfälle. Prominente Beispiele zeigen immer wieder, wie komplexe Projekte scheitern können – etwa durch fehlende Kommunikation, falsche Annahmen oder strukturelle Probleme innerhalb großer Organisationen.

So wurde etwa das milliardenschwere IT-Projekt des Handelskonzerns Lidl, das nach Investitionen von rund 500 Millionen Euro eingestellt wurde, häufig als Beispiel für gescheiterte Transformationsprojekte diskutiert. Solche Fälle zeigen, dass selbst große Unternehmen mit erheblichen Ressourcen vor grundlegenden Herausforderungen stehen, wenn strategische Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden.

Scheitern als Teil von Innovation

Für Stojanovic ist Scheitern deshalb kein Gegenpol zum Erfolg, sondern ein integraler Bestandteil von Innovationsprozessen. Organisationen, die Fehler offen analysieren und daraus lernen, können Risiken besser einschätzen und zukünftige Entscheidungen fundierter treffen.

Eine starke Failure Culture bedeutet dabei nicht, Fehler zu glorifizieren. Vielmehr geht es darum, Verantwortung zu übernehmen, transparent zu kommunizieren und aus Rückschlägen systematisch zu lernen.

Denn letztlich zeigt sich Leadership oft genau in den Momenten, in denen Projekte nicht wie geplant verlaufen – und darin, wie Führungskräfte und Teams gemeinsam mit diesen Situationen umgehen.