Auch an der Technischen Universität Wien gibt es mittlerweile einige Initiativen, die Frauen mit einer Leidenschaft für MINT-Berufe den Einstieg in die berufliche Laufbahn erleichtern. Gerade während des Studiums sind Möglichkeiten, praktische Erfahrungen in technischen Bereichen zu sammeln, oft begrenzt. Am Department für Geodäsie und Geoinformation werden daher jährlich Kurzpraktika für junge Wissenschaftlerinnen angeboten. Sie ermöglichen Einblicke in die verschiedenen Forschungsbereiche des Departments – von Klima- und Umweltfernerkundung über Photogrammetrie bis hin zu Geophysik.
Im vergangenen Jahr waren drei TU-Studentinnen im Rahmen von Women4GEO als Sommerpraktikantinnen tätig. Gudrun Michlmayr unterstützte den Forschungsbereich Photogrammetrie, Bettina Kroyer arbeitete bei CLIMERS (Forschungsbereich Klima- und Umweltfernerkundung) und Maria-Theresia Dvořak befasste sich in ihrem zwei-monatigen Praktikum mit dem Themengebiet der Fernerkundung.
Drei verschiedene Forschungsbereiche – drei unterschiedliche Arbeitsbereiche. Wir haben Gudrun, Bettina und Maria-Theresia gefragt, welche Erfahrungen sie am GEO-Department gemacht und wie sie ihre Zeit am GEO-Department erlebt haben.
Sie geben Einblick in ihre Erfahrungen und erzählen, warum sie das Programm auch anderen Studentinnen empfehlen würden.
Was hat dir an deiner Arbeit gefallen?
Gudrun: Besonders gefallen haben mir die abwechslungsreichen und spannenden Aufgaben. Dazu kommen auch flexible Arbeitszeiten und ein wirklich tolles Team. Und nicht zu vergessen die Chance, bei Messungen dabei zu sein.
Bettina: Ich konnte mit echten Daten arbeiten, die die Welt ständig neu abbilden - mir wurde da auch sehr vieles zugetraut. Ich musste mich in einiges erst einlesen und einarbeiten, aber das wurde auch unterstützt. Gleichzeitig konnte ich viel lernen und auch einiges aus meinem Studium nutzen. Darüber hinaus habe viel mit Python programmiert und bin in die Welt der Package-Entwicklung eingetaucht – das hat mir auch gut gefallen.
Wie gut konntest du dich als Mitarbeiterin einbringen – eher Zuschauerin oder wirklich Teil der Arbeit?
Gudrun: Ich hatte das Gefühl, wirklich Teil der Arbeit zu sein – natürlich muss man am Anfang reinkommen, aber im Laufe der doch kurzen Zeit lernt man Einiges dazu. Sowohl bei Field Trips also auch im Büro konnte ich mich aktiv einbringen.
Bettina: Am Anfang habe ich direkt an einem Projekt mitgearbeitet und habe aktiv zum Fortschritt beigetragen, auch, wenn es nur eine kleine Aufgabe war. Danach hatte ich eine eigenständige Aufgabe. Mir persönlich hat es besser gefallen, sich in einem Teilbereich alleine vertiefen zu können statt den Fortschritten oder auch Verzögerungen der anderen nachzulaufen, aber das ist Geschmackssache. Nur Zuschauerin war ich nie.
Was hat dir im Stipendium am meisten Spaß gemacht und gab es einen Moment, in dem du dachtest: „Genau deswegen interessiert mich dieses Feld“?
Gudrun: Das ist echt schwierig zu entscheiden… allgemein würde ich aber sagen hat es mir besonders gefallen, selbstständig an Aufgaben zu arbeiten und Lösungen für Problemstellungen zu finden - wobei ich natürlich jederzeit Unterstützung bekommen habe, wenn es notwendig war. Und sehr positiv war dabei auch, dass ich immer abwechselnde Aufgaben hatte, wodurch es immer etwas Neues zu lernen gab.
Besonders viel gelernt habe ich bei der Exkursion zum Messgebiet Zöbelboden, wo ich einen guten Eindruck bekommen habe, wie das Messen tatsächlich abläuft. An einem Tag mit einem Scanner durch den Wald zu gehen und am nächsten bereits die 3D Punktwolke zu sehen, ist schon beeindruckend. Außerdem war es toll die Umgebung zu sehen, mit der ich auch bereits vorher gearbeitet habe.
Tatsächlich war das aber meine gesamte Erfahrung im Stipendium – es hat mir deutlich mehr Spaß gemacht, als ich mir vorher vorstellen konnte. Also ich würde behaupten, das ganze Stipendium war dieser Moment.
Maria: Am meisten Spaß hat mir gemacht, dass ich Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten durfte – mit freier Zeiteinteilung. Besonders cool war, dass ich beim Feldmessungs-Trip dabei sein durfte. Und die kleinen Extras wie Kuchen und Obst haben die Arbeitsatmosphäre noch angenehmer gemacht.
Im Freien zu arbeiten bei einem Feldmessungs-Trip war einer der Highlights meines Praktikums. Ich liebe es nämlich zu wandern und hätte niemals gedacht, dass ich das jemals mit der Arbeit verbinden könnte.
Bettina: Ich habe mich vor allem darüber gefreut, immer elegantere Lösungen und Funktionen in meinen Python-Skripten zu finden – klingt wie ein Informatik-Nerd, ich weiß.
In einem der Meetings, die ich besuchen konnte, wurden neue Ideen für Papers gesammelt und diskutiert. Für mich war es faszinierend zu sehen, welche Vorschläge und Einwände kommen und wie alle Anwesenden aufrichtig zuhören und sich davon begeistern lassen.
Außerdem gab es einen Impulsvortrag eines Forschers aus Nigeria, der die landwirtschaftlichen Praktiken durch Satellitendaten zu optimieren versucht und damit den Nährstoffkreislauf näher an dem natürlichen belassen kann und die Versorgungssicherheit mit Essen in seinem Land unterstützt. Seine Erfolge und Bemühungen haben mich beeindruckt und es war deutlich ersichtlich, wie vielfältig Satellitendaten genutzt werden können.
Gab es auch Momente, die eher frustrierend waren? Wie bist du/wurde damit umgegangen?
Gudrun: Natürlich gab es diese Momente – vor allem, wenn man durchgehend an einer Aufgabe arbeitet, die einfach nicht klappen will. Dabei hat es mir sehr geholfen, dass ich immer mehrere To-Dos parallel hatte. Wenn ich bei einer Aufgabe gar nicht weitergekommen bin, habe ich zunächst an einer anderen weitergearbeitet.
Danach war es immer leichter, wieder „frisch“ zur vorigen Aufgabe zurückzukommen. Dann war es auch gleich deutlich weniger frustrierend oder hat sogar wieder Spaß gemacht.
Maria: Frustriert hat mich nur, dass ich riesige Datensätze hatte, die meinem Arbeits-PC enorme Probleme bereiteten – mein Programm stürzte meistens ab oder dauerte eine Ewigkeit. Wenn es ein Problem gibt, muss es auch eine Lösung geben, war mein Gedanke. Deshalb habe ich das Programm auf meinem privaten Laptop laufen lassen, der anscheinend leistungsfähiger war, und auch meinen Programmcode optimiert, damit der Prozess schneller läuft.
Gibt es etwas am Umgang im Team oder im Department, das dir besonders positiv (oder auch kritisch) aufgefallen ist?
Maria: Mir hat sehr gefallen, dass alle im Department so nett zueinander sind und jeder einen grüßt. Jeder schaut aufeinander und man das Gefühl von Zusammenhalt im Department verspürt. Besonders toll finde ich die monatlichen Kaffee-Meetings, wo es Kaffee und Kuchen gibt und neue Ereignisse besprochen, sowie Geburtstage gefeiert werden. Die Geburtstagskinder dürfen sich dabei auch etwas wünschen. Ich finde, dass das eine schöne Tradition ist.
Bettina: Ich hatte nie ein komisches Bauchgefühl, alle wirken sehr offen, freundlich und hilfsbereit. Bei den monatlichen Treffen mit der gesamten Abteilung haben Personen, die sich nach mitunter Jahren verabschiedet haben, ebenfalls betont, welche gute Atmosphäre sie hier gespürt haben – und die müssen es ja wissen :)
Wem würdest du das Stipendium bei women4GEO empfehlen?
Gudrun: Ich denke, das Women4GEO Stipendium ist geeignet für jede, die motiviert ist, ihre Programmierkenntnisse zu vertiefen und das im Rahmen von spannenden Aufgaben und mit Bezug zur Praxis. In den zwei Monaten kann man hier wirklich sehr viel lernen.
Maria: Ich empfehle das Praktikum allen Frauen, die praktische Erfahrungen im Bereich Geodäsie und Geoinformation sammeln wollen - besonders denen, die überlegen zu wechseln oder unsicher sind, ob das Feld zu ihnen passt.
Bettina: Alle, die Freude am Programmieren und an Logik haben, aber gleichzeitig auch etwas an der Welt erforschen möchten, sollten sich bewerben. Die Arbeitsbedingungen rund um die eigentliche Thematik sind erstklassig, man fühlt sich sehr wohl. Man sollte aber auf jeden Fall die Motivation haben, sich in ein Thema einzuarbeiten und Interessen zu erforschen und verfolgen, statt nur Stunden abzusitzen.
Würdest du jemandem, der/die überlegt ein Studium in diesen Bereich zu beginnen, das Stipendium empfehlen – und wenn ja, warum?
Gudrun: Unbedingt, denn man bekommt auf jeden Fall einen guten Einblick, wie die Arbeit in diesem Bereich aussehen kann, wovon ich zuvor auch nicht wirklich eine Vorstellung hatte. Außerdem lernt man hier sehr viel in kurzer Zeit. In meinem Fall wurde auch sehr auf gutes Verständnis geachtet, was ich sehr geschätzt habe.
Maria: Ja, auf jeden Fall. Man bekommt einen sehr guten und vor allem realistischen Einblick in den Bereich - sowohl in die praktische Arbeit als auch in verschiedene Karrierewege.
Bettina: Ja, vor allem, wenn man sich Geodäsie überlegt oder bereit ist, Geodäsie eine Chance zu geben. Ich denke, ein solches Stipendium hat die Chance, prinzipiell interessierten Personen Einblicke zu geben, was man mit einem fertigen Studium so machen kann und das ist sicherlich oft spannender als es im Vorhinein, oder auch während man in Vorlesungen sitzt, wirkt.
Für Personen, die wirklich vor dem Studium stehen und sich eher das Studium des Umweltingenieurwesens (wie ich) überlegen, muss ich zugeben, dass Geodäsie schon deutlich besser geeignet wirkt, wenn man später an diesem Institut arbeiten möchte. Ich sehe das Praktikum demnach nicht unbedingt als dafür geeignet an, sich für UIW zu entscheiden, schon aber, sich zu Geodäsie umstimmen zu lassen.
Wenn dich jemand auf einer Party fragt „Was macht man eigentlich in Geodäsie und Geoinformation?“, wie erklärst du das in wenigen Sätzen?
Gudrun: Grundsätzlich geht es darum, die Erde zu vermessen. Das wird mithilfe von unterschiedlichen Methoden gemacht: Von Laserscannern, die am Boden herumgetragen werden, über Sensoren auf Drohnen oder Flugzeugen, die Daten aus der Luft erfassen, bis hin zu Satelliten, die dann noch großflächigere Informationen liefern.
Die Daten können dann in weiterer Folge für verschiedenste Zwecke genutzt werden, wie zum Beispiel im Umweltschutz, oder Katastrophenschutz.
Und dazwischen passiert natürlich ganz viel Datenauswertung, Analyse und so weiter.
Maria: Kennst du Google Maps oder dein Navi? Das funktioniert dank Geodäsie! Wir vermessen die Erde, erstellen präzise Karten und entwickeln Systeme, die uns bei der Navigation, Stadtplanung oder im Umweltschutz helfen.
Bettina: Man beobachtet die Erde und Prozesse der Erde, um sie besser zu verstehen, zu erforschen, wie die Zukunft aussehen können, was wir tun können, um sie lebenswert zu erhalten und wie man diese Ergebnisse am besten festhalten, visualisieren und vermitteln kann.
Haben wir dein Interesse geweckt? Dann bewirb dich jetzt für unsere Women4GEO Praktika:
- In unserem Forschungsbereich Klima- und Umweltfernerkundung (CLIMERS), Bewerbungsfrist 03.05.2026
- An unserem Department (mit freier Auswahl des Forschungsbereichs).
Verstärke unser GEO-Department ab diesem Sommer – Wir freuen uns auf dich!