Schon wieder Freitag, der 13., schon wieder Pech? Dass Freitag, der 13. Unglück bringen soll, ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Sein Ursprung liegt vermutlich im Christentum. Judas, die 13. Person beim letzten Abendmahl, verriet Jesus und brachte somit Unglück. Gekreuzigt wurde er dann an einem Freitag – ergo: am „Freitag, den 13.“ fallen die Unglückszahl und der Unglückstag zusammen.
Studien zeigen aber, dass am Freitag, den 13. nicht mehr Unfälle passieren als an anderen Tagen. Viel mehr spielen der Wochentag und die Tageszeit eine Rolle. Warum aber kommt es uns vielleicht doch so vor, als würden sich Unglücksmomente am Freitag, den 13. häufen?
Das menschliche Gehirn vollbringt viele Wunder, an einigen Dingen scheitert es jedoch immer wieder. Dazu zählen unter anderem extrem große und extrem kleine Zahlen. Wir können uns recht einfach vorstellen, dass ein 30 Meter hohes Haus viel höher ist als ein 3 Meter hohes Haus. Je kleiner die Unterschiede jedoch werden, desto schwieriger wird es, sich diese vorzustellen. Wie unterscheidet sich in unserer Vorstellungskraft also ein Haus, das 30 Meter hoch ist von einem Haus, das 30,1 Meter hoch ist?
Betrachtet man noch viel kleinere Zahlen, zum Beispiel die von Verkehrsunfällen, die Abergläubige am Freitag, den 13. besonders fürchten, wird dies noch deutlicher: Legt man zum Beispiel 1.000 Kilometer mit dem Auto zurück, beträgt die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken gerade mal 0,0003 Prozent. Vergleicht man dies mit dem Flugzeug, wird diese extrem kleine Zahl noch kleiner: Fliegt man 1.000 Kilometer, beträgt die Wahrscheinlichkeit zu verunglücken gerade mal 0,0000003 Prozent.
Das sind beides extrem kleine Zahlen; beides ist extrem unwahrscheinlich. Und doch ist es, betrachtet man die Wahrscheinlichkeit je zurückgelegter Strecke, deutlich wahrscheinlicher, bei einer Autofahrt zu verunglücken als bei einem Flug – konkret 920-mal.
Was aber in unserer Macht steht, sind die eigenen Gedanken und die daraus folgenden Handlungen. In der Psychologie spricht auch von der „selbsterfüllenden Prophezeiung“. Natürlich können wir nicht Kraft unserer Gedanken Schokolade regnen lassen oder uns schwebend fortbewegen, aber wir können durch unser Handeln einen Einfluss darauf haben, dass sich unsere Prophezeiung erfüllt. Es kommt also zu einer positiven Rückkopplung zwischen Erwartung und Verhalten, was das Ergebnis beeinflussen kann.
Gehen wir zum Beispiel davon aus, dass es Unglück bringt, wenn eine schwarze Katze von rechts nach links über die Straße läuft, und wir nun übervorsichtlich agieren und ungeschickt werden, kann es tatsächlich passieren, dass wir auf der Treppe stolpern. Schuld ist dann womöglich die schwarze Katze, die wir früher am Tag gesehen haben.
Die selbsterfüllende Prophezeiung funktioniert aber genauso für positive Dinge: Gehen wir beispielsweise mit der Einstellung an eine Prüfung heran, dass Lernen etwas bringt und bleiben am Ball, werden wir diese eher meistern, als wenn wir davon überzeugt sind, dass wir uns die Inhalte niemals merken werden.
In diesem Sinne sollten wir den Freitag, den 13. besser zu unserem Glückstag erklären und in der Erwartung, dass uns Glück widerfährt, durch den Tag gehen. Und wem am Freitag, den 13. doch Unglück widerfährt, hatte entweder Pech, oder ist aufgrund falscher Überzeugungen – „heute wird sicher etwas Schlimmes passieren“ – Opfer eines Unglücks geworden.
Text:Sarah Link
