Im Rahmen der Lehrveranstaltung Grundbau und Bodenmechanik fand am 29. Juni 2026 eine Baustellenexkursion zum innerstädtischen Bauvorhaben Turnsaalzentrum Kriehubergasse statt. Auf dem Areal des BG/ BRG Rainergymnasium im 5. Wiener Gemeindebezirk wird im Auftrag der Bundesimmobiliengesellschaft ein vollständig unterirdisches Sportzentrum mit vier Turnsälen, einem Boulderbereich und Nebenräumen errichtet. Das Projekt entsteht unter dem etwa 60 m × 40 m großem Baufeld, wodurch die Freiflächen erhalten bleiben. Zusätzlich werden der Innenhof saniert sowie der Baumbestand durch gezielten Baumschutz und bewehrte Erde gesichert. Durchgehende Oberlichter sorgen für natürliches Tageslicht in den unterirdischen Turnsälen.
Bereits die Baugrunderkundung zeigte erhebliche Herausforderungen. Historische Pläne aus dem Jahr 1865 sowie der Name der nahegelegenen Ziegelofengasse belegten eine ehemalige Ziegelgrube auf dem Baufeld. Daraus resultieren mehrere Meter mächtige künstliche Anschüttungen mit stark schwankenden Bodeneigenschaften. Zusätzlich war eine Kampfmittelerkundung erforderlich. Da der Baukörper dauerhaft unter dem Grundwasserspiegel liegt, erfolgt die Wasserhaltung über Brunnen mit kontinuierlicher Grundwasserentspannung und Pegelmessstellen. Aufgrund der geringen Wassermengen werden die Pumpen intervallweise betrieben, wodurch bei Störungen ausreichend Reaktionszeit gewonnen wird.
Die Sicherung der rund 9,5 m tiefen Baugrube sowie die Unterfangung des über 100 Jahre alten Schulgebäudes erfordern mehrere Spezialtiefbauverfahren. Drei Seiten der Baugrube werden durch wasserdichte Schlitzwände, hergestellt im Kontraktorverfahren unter Bentonitstützung gesichert. In sensiblen Bereichen reduziert eine temporäre Stahl-Aussteifung die Verformungen. An der Bestandsseite gewährleistet ein Düsenstrahl-Dichtschirm die Abdichtung, während die bestehenden Fundamente mit rund 2.000 m³ DSV-Körpern im Pilgerschrittverfahren unterfangen und ertüchtigt sowie bereichsweise mit vorgespannten Ankern gesichert wurden.
Aufgrund der beengten Platzverhältnisse wurde die Deckelbauweise gewählt. Der auf temporären Hilfspfählen gegründete Stahlbetondeckel dient während der Bauphase als Arbeits-, Transport und Lagerfläche, der Erdaushub erfolgt über ausgesparte Logistiköffnungen. Nach Herstellung von Bodenplatte, Innenwände und Zwischendecken werden die Lasten mittels hydraulischer Pressen kontrolliert auf die endgültige Tragstruktur umgelagert und die Hilfspfähle rückgebaut. Gegen Grundwasser und Auftrieb schützen Zugpfähle sowie eine Kombination von weißer und gelber Wanne im Neubau sowie grüner und schwarzer Wanne im Bestand.
Ein geotechnischer Sicherheitsmanagementplan mit Warn- und Grenzwerten sowie Alarmierungskette begleitet den gesamten Bauablauf. Trotz eines Materialeinsatzes von rund 7.600 m³ Beton und mehr als 800 t Bewehrung wird das Projekt nach dem Standard klimaaktiv Silber umgesetzt.
Ein herzlicher Dank gilt Prof. Dietmar Adam sowie allen beteiligten Experten vor Ort, vor allem Herrn Michael Schmidle (Projektleiter BIG) und Herrn Dipl.-Ing. Patrick Hollensteiner (ÖBA), für die lehrreiche Führung und die spannenden Einblicke in die geotechnische Praxis.