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E.V.A. – Erkennen, Verstehen, Anwenden: Zwei Tage Scientific Literacy an der TU Wien

Pilotdurchgang am 22. und 23. Juni 2026 im Co-Creationspace Transformer und am Campus der TU Wien

junge Frau von hinten mit Stadt aus Karton in der Hand

© Attila Izmir

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Urban Mining Workshop im Transformer

verschiedene Materialien am Boden, aus denen Stadt gebastelt werden soll

© Attila Izmir

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Urban Mining Station im Transformer

vier Menschen sitzend bei Tisch, im Gespräch, 2 von hinten

© Attila Izmir

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Alumni Speeddating

aufgeschlagenes großes Buch, Finger fahren Linie nach

© Attila Izmir

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Bücherchallenge in der TU-Bibliothek

gelber Tisch mit Lehm, Kinderhände, die damit arbeiten

© Bianca Köck

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Lehmziegel-Workshop der Young Earth Builders

Am 22. und 23. Juni 2026 fand der Pilotdurchgang des neu aufgesetzten Scientific-Literacy-Projekts E.V.A. – Erkennen, Verstehen, Anwenden – statt. Konzipiert und organisiert vom Student Support der TU Wien (Leitung Katharina Tielsch), richtet sich das Programm an Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren (ab der 8. Schulstufe). Im Pilotdurchgang nahmen Schüler_innen der 6. bis 10. Schulstufe teil. Das Programm verteilt sich bewusst auf zwei Orte: An der TU Wien stehen Erkennen und Verstehen im Fokus – die Begegnung mit Forschenden, dem Campus und der wissenschaftlichen Infrastruktur. Im Transformer, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster am Rennweg 89a wird der dritte Aspekt erlebbar: Anwenden. Hier wird selbst gemessen, gebaut, getestet und hinterfragt. Gemeinsam ergibt sich ein Programm, das Wissenschaftsbewusstsein stärken und Wissenschaftsskepsis abbauen soll.

Tag 1 – Montag, 22. Juni: Anwenden im Transformer

Am ersten Tag wurde der Transformer zum Fakten-Labor: Fünf Stationen luden Schüler_innen ein, mit echten wissenschaftlichen Methoden selbst Evidenz zu sammeln – mit den Händen im Lehm, dem Blick durch die Wärmebildkamera und leitender Knete zwischen den Fingern.

Lehmziegel herstellen und auf Druckfestigkeit prüfen

In Kooperation mit den Young Earth Builders, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster – einem Wiener Verein für nachhaltiges Bauen mit Lehm – haben die Teilnehmer_innen selbst Lehmziegel aus unterschiedlichen Mischungsverhältnissen hergestellt: verschiedene Anteile von Ton, Sand, Stroh und Wasser. Anschließend wurden die Prüfkörper einem Druckversuch unterzogen: Die Ziegel wurden mit steigender Last (in Kilogramm) belastet, bis sie brachen. So ließ sich die Bruchlast bestimmen – ein Grundprinzip der Druckfestigkeitsprüfung, wie sie auch in der Baustoffprüfung nach DIN 18945 für Lehmsteine angewendet wird. Eigenständig ausgerechnet wurde aufbauend auf diesen Versuch die Druckfestigkeit, angegeben in N/mm² (= MPa). Die zentrale Erkenntnis: Schon kleine Änderungen im Mischungsverhältnis – etwa mehr Sand oder mehr Strohfasern als Armierung – beeinflussen die Druckfestigkeit erheblich. Lehm ist kein einfacher Dreck, sondern ein technisch anspruchsvoller Baustoff, dessen Eigenschaften sich gezielt steuern lassen.

Stromkreise aus leitender Knete

An dieser Station wurde mit leitender Knete experimentiert: Salzhaltige Knete leitet Strom, zuckerhaltige Knete isoliert. Aus diesen zwei Materialien entstanden kreative Figuren mit leuchtenden LED-Augen, blinkenden Armen und selbstgebauten Schaltern. Was spielerisch aussieht, vermittelt handfeste Physik: Reihen- und Parallelschaltung, Leitfähigkeit von Materialien und die Rolle von Ionen in der Stromleitung. Die Kinder und Jugendlichen haben erfahren, dass ein Stromkreis nicht abstrakt ist – man kann ihn formen, verändern und dabei zusehen, wie die LED heller oder dunkler wird.

Urban Mining – Die Stadt als Rohstofflager

Urban Mining beschreibt die Idee, Gebäude und Infrastruktur als Rohstofflager der Zukunft zu betrachten: Stahl, Kupfer, Glas und Kunststoffe, die heute in Bauwerken verbaut sind, können am Ende der Nutzungsdauer zurückgewonnen werden. Die Teilnehmer_innen haben zunächst verschiedene Abfälle nach Materialtyp kategorisiert – Metall, Kunststoff, Holz, Glas, Keramik, organisches Material – und ihre Recyclingfähigkeit eingeschätzt. Dann ging es ans Bauen: Aus den sortierten Abfallmaterialien wurden Modelle für die "Stadt der Zukunft" konstruiert. So wurde erlebbar, dass Abfall kein Ende, sondern ein Anfang sein kann – und dass die kreislaufgerechte Planung von Gebäuden bereits beim Entwurf beginnt.

Escape Room: Dämmmaterialien entschlüsseln

Der Escape Room war das Highlight für viele Teilnehmer_innen: In einem abgetrennten Bereich des Transformers mussten Teams innerhalb einer vorgegebenen Zeit Rätsel rund um Dämmstoffe und energieeffizientes Bauen lösen. Dafür standen echte Werkzeuge zur Verfügung – darunter Bohrmaschinen und eine Wärmebildkamera. Mit der Wärmebildkamera mussten versteckte Hinweise aufgespürt werden: Kältequellen hinter verkleideten Wandelementen zeigten, welches Dämmmaterial am besten isoliert. Bohrmaschinen kamen zum Einsatz, um verdeckte Materialproben freizulegen und zu identifizieren. Die Rätsel verknüpften technisches Können mit Fachwissen: Wer den U-Wert richtig berechnete oder das Dämmmaterial anhand seiner Wärmeleitfähigkeit erkannte, kam dem nächsten Code ein Stück näher. Besonders wertvoll war der Effekt, dass die Jugendlichen im Escape-Room-Setting intrinsisch motiviert waren – niemand musste erklären, warum Wärmeleitfähigkeit relevant ist, wenn man sie braucht, um ein Schloss zu knacken.

Tag 2 – Dienstag, 23. Juni: Erkennen und Verstehen am TU-Campus

Am zweiten Tag wechselte der Schauplatz an die TU Wien. Nach einer Einführung durchliefen die Schulklassen drei jeweils 90-minütige Formate, die den Blick auf Wissenschaft als Beruf, als Arbeitsweise und als Ort öffneten.

Speeddating mit Alumni

Im Festsaal der TU Wien trafen die Schüler_innen auf Absolvent_innen aus fünf Fakultäten: Technische Mathematik, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften, Maschinenbau, Informatik und Elektrotechnik. Im Speeddating-Format erzählten die Alumni aus ihrem Berufsalltag und machten sichtbar, was hinter einem TU-Studium steckt.

Valerie Eberhartinger (Technische Mathematik) gab Einblick in ihre Tätigkeit als Aktuarin und verdeutlichte, was passende Prämien, Rückstellungen und Versicherungsprodukte mit Mathematik zu tun haben. Georg Trausmuth (Informatik) brach die Denkweise von Informatiker:innen für die jüngeren Schüler_innen der 6. Schulstufe in einfache Metaphern herunter. Philipp Dungl (Elektrotechnik) zeigte anschaulich, wie sich Infrastrukturen aufgrund digitaler Technologien verändern. Tobias Bisenberger (Bauingenieurwesen) wurde mit vielen Fragen zu seiner Tätigkeit bei der STRABAG gelöchert, und Nikolaus Kremslehner (Maschinenbau) rundete das Bild ab.

Bücherchallenge in der TU-Bibliothek

In der Universitätsbibliothek stellten sich die Schüler_innen einer Bücherchallenge zum Thema Mobilität. In Kleingruppen bewegten sie sich durch die Bibliothek, um Bücher zum Thema zu finden – und übten sich dabei in der Systematik der Bibliothek zurechtzufinden. Ein Blick ins Magazin zu alten, wertvollen Büchern wurde ermöglicht. Die Ergebnisse wurden auf einer DiGIwall gesammelt: Buchsorten bestimmt, Schlagworte den Fakultäten der TU Wien zugeordnet – ein erster Schritt hin zum wissenschaftlichen Arbeiten. Betreut wurde die Challenge von Christine Hax-Noske, Doron Goldfarb und Leonhard Suchenwirth aus dem Bibliotheksteam.

Campusführung

Die dritte Komponente des TU-Tages war eine Führung über den Campus: Beginnend vom Hauptgebäude am Karlsplatz mit seinen repräsentativen Räumlichkeiten – Fest- und Kuppelsaal – ging es über das Freihausgebäude mit seinen studentischen Lernräumen und Institutstürmen zum Getreidemarkt. Das AudiMax sowie das Plus-Energie-Bürohochhaus wurden hinsichtlich ihrer infrastrukturellen Aspekte besucht. So wurde aufgezeigt, wie das Plus-Energie-Bürohochhaus mehr Energie erzeugen kann, als zur Nutzung benötigt wird – Forschung, die man anfassen und begehen kann.

Mitmachen: Studierende, Forschende und Projekte

Der Pilotdurchgang hat gezeigt: Das Interesse ist da: bei den Schüler_innen, aber auch bei den beteiligten Kolleg_innen, die sich in Zukunft weiterhin einbringen möchten. Wir suchen laufend Verstärkung auf drei Ebenen:

  • Studierende können sich im Rahmen der Lehrveranstaltung „Soft Skills für Techniker_innen Wissenschaftskommunikation und Co-Creation“ im Transformer einbringen. In der Lehrveranstaltung entwickeln Studierende selbst Workshopformate, betreuen Stationen bei Events wie E.V.A. und sammeln praktische Erfahrung in der Wissenschaftskommunikation, einer Kompetenz, die in jedem Berufsfeld gefragt ist.
  • Forschende aller Fakultäten sind eingeladen, ihre Themen im Transformer oder im Projekt E.V.A. erlebbar zu machen. Ob Materialwissenschaft, Informatik, Bauphysik oder Raumplanung, der Transformer bietet die Infrastruktur (Werkstatt, Veranstaltungsraum, kreatives Publikum), um Forschungsinhalte für Kinder, Jugendliche und Familien zugänglich zu machen. Wer die Begeisterung für das eigene Thema mit jungen Menschen teilen möchte, ist hier richtig.
  • Forschungsprojekte mit Dissemination- oder Science-to-Public-Auftrag finden im Transformer einen erfahrenen Partner für hands-on-Wissenschaftskommunikation. Wir konzipieren und betreuen interaktive Formate – von einzelnen Workshops bis zu mehrtägigen Events – und bringen langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und der breiten Öffentlichkeit mit. Wir freuen uns, als Expert_innen für hands-on Dissemination in Forschungsprojekte eingebunden zu werden.

Was bleibt

Zwei Tage E.V.A. zeigen, was Scientific Literacy im besten Fall sein kann: Am TU-Campus wird erkannt und verstanden – Forschung als Beruf, Bibliothek als Werkzeug, Campus als Lernraum. Im Transformer wird angewendet – selbst gemessen, gebaut und hinterfragt, mit Lehm unter den Fingernägeln und leuchtenden LED-Augen. Zusammen ergibt sich ein Programm, das Wissenschaftsbewusstsein nicht predigt, sondern erlebbar macht. Der Pilotdurchgang war ein Erfolg – und wird nicht der letzte sein.

Verantwortliche

Organisation und Konzeption
Katharina Tielsch, Student Support der TU Wien

Transformer (Tag 1)
Ines Kirchengast, Alexander Pichlhöfer, Simon Amort, Mayuki Cabrera Gonzalez, Katharina Tielsch und Bianca Köck (Team Transformer), Young Earth Builders

TU Wien (Tag 2)

Student Support
Katharina Kralicek, Botond Metzgar, Daniela Milisic, Raissa Patricia Rat, Bianca Köck und Christoph Brunner

Alumni (Speeddating)
Silke Cubert (Alumniclub der TU Wien), Tobias Bisenberger (Bauingenieurwesen), Nikolaus Kremslehner (Maschinenbau), Georg Trausmuth (Informatik), Valerie Eberhartinger (Technische Mathematik) und Philipp Dungl (Elektrotechnik)

Bibliothek (Bücherchallenge)
Christine Hax-Noske, Doron Goldfarb und Leonhard Suchenwirth

 

Weiterführende Links

Projekt E.V.A., öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster

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