Wenn wir Hitzewellen erleben wie jetzt, im Sommer 2026, dann drängt sich die Frage auf: Was können wir tun, um unsere Gebäude hitzetauglich zu machen? Wie sorgt man für ein erträgliches Raumklima?
Prof. Kristina Orehounig leitet an der TU Wien den Forschungsbereich Bauphysik und Regenerative Systeme. Sie arbeitet mit ihrem Team an Rechenmodellen, mit denen man die Auswirkungen verschiedener Baumaßnahmen vorhersagen kann.
Um die Temperatur in einem akzeptablen Bereich zu halten, ist nicht immer eine Klimaanlage nötig. Bei längeren Hitzewellen kommt man an Klimaanlagen oder anderen Abkühlungsmaßnahmen vielleicht nicht vorbei, aber wenn man hitzebewusst baut, kann man die Zeit reduzieren, in der sie nötig sind. Speziell beim Neubau eines Hauses lohnt es sich, andere Maßnahmen mitzubedenken.
Nord-Süd-Ausrichtung und gute Lüftung
„Natürlich macht es einen großen Unterschied, ob man ein neues Gebäude plant oder ob man ein bestehendes Gebäude klimafit machen möchte“, sagt Kristina Orehounig. „Aber in beiden Fällen gibt es Möglichkeiten.“
Plant man ein neues Gebäude, entscheidet schon die Ausrichtung des Grundrisses darüber, wie schwierig es später sein wird, mit Hitzewellen zurechtzukommen. „Optimal ist eine Nord-Süd-Ausrichtung“, erklärt Orehounig. „Durch südlich ausgerichtete Fenster kommt auch im Winter noch die Sonne, und im Sommer, wenn die Sonne sehr hoch steht, kann man südseitig besser beschatten als im Osten oder Westen, wo die Sonne in flacherem Winkel ins Haus scheint.“
Auch die Lüftung spielt eine wichtige Rolle: Sind alle Fenster in eine Himmelsrichtung ausgerichtet, dauert der Luftaustausch viel länger. In mehrgeschoßigen Häusern sind Dachfenster praktisch: „Dann kann man einen Kamineffekt erzielen, die Luft zieht von unten nach oben durch“, erklärt Orehounig.
Wärmedämmung und thermische Masse
Ganz entscheidend ist die Wärmedämmung – und diesen Punkt kann man auch nachträglich bei bereits bestehenden Häusern optimieren. „Dämmung sorgt im Winter dafür, die Wärme im Haus zu halten – aber genauso sorgt sie auch im Sommer dafür, die Hitze draußen zu halten“, sagt Kristina Orehounig.
Hier greifen zwei Effekte ineinander, die man nicht verwechseln sollte: Einerseits die Dämmung – sie verlangsamt den Energieaustausch zwischen innen und außen – und andererseits die thermische Masse – sie gibt an, wie viel Energie für eine bestimmte Erwärmung nötig ist. Dicke Wände und Decken, aber auch Materialien mit großer Wärmekapazität führen zu einer großen thermischen Masse. Das bedeutet, der Aufheizungseffekt wird verlangsamt, weil viel Energie nötig ist, um massive, thermisch träge Objekte aufzuheizen.
Eine große thermische Masse sorgt also dafür, dass sich die Wohnung nicht gleich morgens bei den ersten Sonnenstrahlen aufheizt, sondern dass die Schwankungen zwischen Tag und Nacht zumindest teilweise ausgeglichen werden. Ziegelwände etwa haben eine große thermische Masse – ihre Wärmedämmung ist aber nicht optimal, daher werden sie oft mit zusätzlichem Dämmmaterial ergänzt.
Schatten und High-Tech-Glas
Von ganz zentraler Bedeutung ist die Beschattung – und zwar wenn irgendwie möglich außerhalb des Gebäudes, nicht in Form von Verdunkelungen innen. Die Sonnenstrahlen sollen von vornherein davon abgehalten werden, den Innenraum zu erreichen. Auch die Wahl der Fenster ist wichtig, sagt Kristina Orehounig: „Wir wollen, dass möglichst viel Licht, aber möglichst wenig Energie hereinkommt. Diese beiden Dinge sind nicht dasselbe. Es gibt heute Gläser, die sichtbares Licht gut durchlassen, aber einen beträchtlichen Teil der Wärmestrahlung blockieren.“
Gerade in der Stadt muss man das Hitzeproblem aber auch auf größerer Skala betrachten: Es geht nicht nur um die eigene Wohnung, sondern um ganze Stadtquartiere. „Man könnte sehr viel verbessern, wenn man sich stärker bemühen würde, die Städte insgesamt kühler zu halten“, ist Orehounig überzeugt. Das beginnt schon bei der Reduktion des Verkehrs und des Anteils versiegelter Flächen. Begrünung kann für Abkühlung sorgen – solange genug Wasser dafür da ist. Und auch helle Farben, die einen großen Teil der Sonnenenergie reflektieren, können einen spürbaren Vorteil bringen.
„Bevor man sich eine Klimaanlage einbauen lässt, sollte man jedenfalls darüber nachdenken, welche anderen Maßnahmen sich ergreifen lassen“, betont Kristina Orehounig. Und wenn es doch eine Klimaanlage sein muss, dann helfen diese zusätzlichen Maßnahmen zumindest dabei, einen großen Teil der dafür nötigen Energie einzusparen.
Kontakt
Prof. Kristina Orehounig
Institut für Architekturwissenschaften
Technische Universität Wien
+43 1 58801 27031
kristina.orehounig@tuwien.ac.at
Text: Florian Aigner
