E-Mobilität im Alltag gewinnt immer mehr an Bedeutung. An der TU Wien wird derzeit das Ökomobil, das vom Unternehmen Öko Mobil Kaindorf dem TU Wien Transformer, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster gesponsert wurde, nach Installation eines Photovoltaik-Dachs, bezüglich Art und Dauer der Nutzung und Auflade-Notwendigkeit getestet. Umgebaut und vermessen wurde das Fahrzeug von den beiden Schülern David und Darius, die im Rahmen eines FFG-geförderten Praktikums im Transformer, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster, dem Co-Creationspace der TU Wien, mitgearbeitet haben. Im Gespräch gibt Projektleiter Ferdinand Bammer Einblicke in das Projekt und erzählt, in welchen Alltagsbereichen das Ökomobil zum Einsatz kommen könnte.
Wie ist die Idee für die Ausrüstung des Ökomobils mit einem Photovoltaik-Dach entstanden?
Nutzfahrzeuge wie Busse, LKW oder eben Lastenfahrzeuge sind mit ihren großen ebenen Flächen für die Installation von Photovoltaik (PV) hervorragend geeignet. Das entlastet das öffentliche Netz und erhöht die Resilienz im Falle eines Blackouts. VIPV, sogenannte Vehicle Integrated Photo-Voltaic, wird aktuell wieder vermehrt untersucht und auch in verschiedenen Anwendungen realisiert. Den konkreten Anlass, das TU Wien Ökomobil mit einem PV-Dach auszustatten, gab schließlich der Verein Ingenieur:innen ohne Grenzen, Austria, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster (IOG), wo ich zusammen mit vielen aktiven und ehemaligen TUW-Studierenden engagiertes Mitglied bin, mit der Entscheidung, einen Stand bei den Afrika Tagen in Wien zu bespielen. Das bot uns eine gute Gelegenheit, das Ökomobil einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und außerdem E-Mobilität für Afrika zu bewerben, hierfür Bewusstsein zu schaffen und ganz konkret eine für Afrika perfekte E-Mobilitäts-Lösung zu demonstrieren.
Wie lange hat die Umsetzung gedauert?
Die Umsetzung passierte im Rahmen eines FFG-geförderten Praktikums für Schüler_innen (FFG-Programm Talente- Praktika für Schüler_innen). Konkret haben David und Darius, ein HTL- und ein HAK-Schüler, rund einen Monat am Ökomobil gearbeitet und waren dafür an der TU Wien angestellt. Ihr Projektthema war die Ausrüstung des bestehenden Lasten-Fahrzeugs/Ökomobils mit einem PV-Dach und die Evaluation desselben. Das Ökomobil wurde darüber hinaus noch mit einem 3 kW-Wechselrichter ausgestattet, sodass zum Beispiel eine Kühlbox, eine Kochplatte, eine Espressomaschine, ein Schweißgerät oder sonstige Werkzeugmaschinen oder auch Ladegeräte anderer E-Fahrzeuge betrieben werden können. Das macht das Ökomobil sozusagen zu einem multifunktionalen Solar-Fahrzeug und einem Vertreter von Vehicle to Load (V2L). Das fertig umgebaute Ökomobil wurde dann bei den Afrika-Tagen von den beiden Schülern getestet und präsentiert. Dieses Förderprogramm passt hervorragend zur Mission des Transformers der TU Wien, der Kinder und Jugendliche in die wissenschaftliche Arbeit der TU Wien einbeziehen möchte.
Mittlerweile ist das Projekt in der finalen Phase. Ausstehend sind noch Ertrags-Messungen der PV während der Fahrt, was mit einer eigenen, von den Schülern entworfenen, MicroController-basierten Lösung passieren soll. Für die Umrüstung weiterer Fahrzeuge interessant: Sind Material und Werkzeuge vorhanden, kann die Installation der PV und des Wechselrichters von zwei Personen an einem Tag erledigt werden.
Wofür kann das Ökomobil genutzt werden und ist es für den Einsatz im Alltag konzipiert?
Hauptanwendung ist der tägliche Lastenverkehr im nahen Umfeld, also im Umkreis von rund 10 Kilometern. So besitzt die Kleine Stadtfarm, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster in der Lobau ein ganz ähnliches Fahrzeug (das im Zuge dieses Projekts auch mit PV ausgestattet wurde) und benützt es beispielsweise für die Auslieferung landwirtschaftlicher Produkte. Das Ökomobil kann je nach Model, 250 kg (unsere Variante) oder 350 kg an Lasten tragen.
Welche Daten wurden bei dem 10-tägigen Test im Rahmen der Afrika Tage erhoben und ausgewertet?
Bei diesem Festival wollten wir unter anderem herausfinden, welche Fahrten damit unternommen werden können, die Dauer der Fahrten erheben und testen, ob dabei zusätzliches Laden aus dem Stromnetz erforderlich ist. Dabei geht es nicht nur um eine Stromeinsparung, sondern auch um Reichweitenerhöhung, um eine größere Lebensdauer der Akkus durch Verringerung der Zyklentiefe und Entladungsdauer, und um die Einsparung von Aufwand, die das Laden erfordert. Eine weitere Fragestellung ist, ob trotz der Fahrten zusätzlich für den IOG-Ausstellungsstand auch eine Kühlbox, ein Ventilator, eine Kaffeemaschine und PC-Ladegeräte betrieben werden können.
Für eine genauere Beurteilung des Solarladereglers sind PV-Strommessungen während der Fahrt geplant, um zu beurteilen, wie der Laderegler mit den dabei auftretenden schnell wechselnden Lichtverhältnissen zurechtkommt.
Welche Ergebnisse werden erwartet?
Wir erwarten uns, dass an sonnigen Tagen ein vollständig energie-autarker Betrieb des Fahrzeugs inklusive der Standversorgung möglich ist. Mittlerweile ist das Ökomobil bereits seit einigen Tagen beim Festival im Einsatz und unsere Erwartungen scheinen sich zu bestätigen. Wir wissen auch vom Schwester-Fahrzeug in der kleinen Stadtfarm, dass dort trotz täglichem Einsatz, seit der Installation der PV vor 3 Wochen kein Netzladen erforderlich war.
Wie schaut die Zukunft des Ökomobils aus?
Der derzeitige Plan ist, dass das Ökomobil beim Science Center und im Transformer untergebracht sein wird und TU-weit zum Ausborgen zur Verfügung steht (Entlehnung über transformer@tuwien.ac.at ab sofort möglich). Im Unterschied zu bereits bestehenden TUW-Leihfahrzeugen sollen das Vorhandensein und die Möglichkeit der Nutzung kein geheimer Insider-Tipp sein, sondern wir wollen regelmäßig über die Leihmöglichkeiten von E-Fahrzeugen an der TU Wien kommunizieren, beispielsweise über eine quartalsweise Nachhaltigkeitsinformation an alle. Zusätzlich soll es als Ladepunkt für kleine E-Fahrzeuge dienen oder kann an heißen Tagen das mobile Klimagerät unserer Werkstatt betreiben.
Geplant sind weiters auch Workshops außerhalb des Transformers und des Science Centers. Das Ökomobil könnte im Rahmen von Workshops in Parks oder ähnlichen Settings genutzt werden, um so mobil hands-on Wissenschaftsvermittlung mit Maschinen oder Geräten für Experimente zu ermöglichen. Außerdem soll die Visualisierung der Stromproduktion des Lastenfahrrads mobil für Lehr- und Untersuchungszwecke mit Schüler_innen nutzbar sein.
