Wie schließen wir die Lücke zwischen komplexen Geodatensätzen und angewandter strategischer Raumplanung auf verschiedenen Ebenen?
Dieser Frage ging das SRF mit zwei Vorträgen (vertreten durch Lucas Reckhaus) auf der Data for Policy 2026 nach, die heuer unter dem Leitthema „Governance of/with AI: Implications for Data, Infrastructure, and Tech Sovereignty“ stand und von 8. bis 10 September 2026 an der Pompeu-Fabra-Universität Barcelona stattfand. Reckhaus gab einerseits Einblicke in seine Dissertation zu Kartierung kritischer Infrastruktur und präsentierte andererseits ein Projekt des SRF zum Monitoring von Flächeninanspruchnahme für das BMLUK. Beide Arbeiten verfolgen das Ziel, fragmentierte Raumdaten in nutzbare evidenzbasierte Grundlagen für die Politik zu verwandeln.
In der Session „Funding AI“ stellte Reckhaus unter dem Titel „Critical Infrastructure Alignment to Regional Planning Outcomes: A Governance and Asset Knowledge Graph for Planning-Relevant Evidence in Austria“ sein Dissertationsprojekt vor. Governance-Anforderungen und räumliche Infrastrukturdaten werden selten gemeinsam analysiert. Um das zu ändern, wird ein nationaler Knowledge Graph aufgebaut, der vier kritische Sektoren verknüpft: Energie, Verkehr, Wasser und Telekommunikation.
- Umfang: Über 1,2 Mio. Knoten und 1,09 Mio. Beziehungen verbinden tausende Kilometer linearer Netze (Strom, Straße, Schiene, Pipelines) mit Schlüsselinfrastrukturen wie Umspannwerken und Kraftwerken.
- Methodik: Eine reproduzierbare Geodaten-Pipeline verarbeitet offene Geodaten (OSM, GIP) über PostgreSQL/PostGIS in Graphstrukturen (Neo4j).
- Kernnutzen: Der Graph fungiert als Übersetzungsebene – er ermöglicht Abfragen zu räumlicher Nähe, Netzwerkabhängigkeiten und Governance-Rückverfolgbarkeit in einer einzigen Struktur.
Weiters nahm er an der Session „Urban AI“ teil, in der er unter dem Titel „The Future of Land-Take Monitoring in the EU: Opportunities & Limitations from Austria“ einen Überblick über ein SRF-Projekt für das BMLUK gab. Mit dem Ziel der EU-Bodenstrategie „No Net Land Take bis 2050“ und dem kommenden Bodenüberwachungsgesetz müssen Monitoring-Mechanismen über einfaches Benchmarking hinausgehen. Auf Basis österreichischer Daten (ÖROK, Umweltbundesamt) hat das Projektteam räumliche Muster, zeitliche Trends und Treiber der Flächeninanspruchnahme analysiert.
- Empirische Kernerkenntnis: Der Flächenverbrauch ist stark angebotsorientiert (beeinflusst durch Verfügbarkeit und Preise von gewidmetem Bauland) und wird nicht rein durch demographische oder ökonomische Nachfrage getrieben.
- Planerischer Bedarf: Wirksames Monitoring erfordert ein kontinuierliches, indikatorenbasiertes räumliches Tracking statt regionalem Wettbewerb, damit Daten direkt konkreten planerischen Herausforderungen dienen.
Mehr Informationen zur Data for Policy 2026 sind auf der Konferenzwebsite, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster verfügbar.