Das Zentrum für Forschungsdatenmanagement der TU Wien hat im Rahmen des Projekts Shared RDM Services & Infrastructure, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster im Juni 2025 eine erste explorative Fragebogenerhebung durchgeführt. Ziel der Untersuchung war es, den aktuellen Entwicklungsstand, die organisatorische Verankerung und die Rahmenbedingungen von Data Stewardship zu erfassen. Grundlage der Studie ist eine Befragung von 20 öffentlichen österreichischen Universitäten. Die Ergebnisse wurden vergangene Woche in einem Beitrag von Livia Beck (TU Wien), Birgit Söser (TU Graz) und Maria Guseva (Universität Wien) in den VÖB Mitteilungen veröffentlicht.
Data Stewards sind Fachpersonen, die Forschende bei der verantwortungsvollen Planung, Organisation und Verwaltung von Forschungsdaten über den gesamten Datenlebenszyklus hinweg beraten und unterstützen. Sie verbinden fachliche, technische und organisatorische Kompetenzen und fungieren als Schnittstelle zwischen Forschung, IT, Recht und Infrastruktur. Die Umfrage richtete sich gezielt an Data Steward-Koordinator_innen, um einen umfassenderen Überblick über Finanzierungsmodelle, Anstellungsmodalitäten und strategische Weiterentwicklung zu erhalten; Data Stewards selbst wurden nicht befragt.
Das Ergebnis
Die Ergebnisse zeichnen ein dynamisches, zugleich aber noch heterogenes Bild: An vielen Universitäten sind Data-Steward-Stellen bereits eingerichtet, doch Rollenbilder, Zuständigkeiten und die organisatorische Einbindung unterscheiden sich weiterhin deutlich. Von den erfassten 38 Stellen sind 33 aus dem Globalbudget finanziert, und bis 2026 sind mindestens 14 weitere Positionen geplant.
Vertiefende qualitative Interviews zeigen zudem, dass die Rolle an den Universitäten zwar zunehmend etabliert ist, aber nach wie vor unterschiedlich interpretiert wird. Unklarheiten bestehen vor allem bei der formalen Zuordnung – etwa bei der Frage, ob Data Stewards im universitären Kontext eher dem wissenschaftlichen Personal oder dem allgemeinen Personal zuzurechnen sind.
Auch die organisatorische Verankerung variiert: Während manche Hochschulen auf zentrale Serviceeinheiten setzen, verfolgen andere dezentrale Modelle mit Anbindung an Fakultäten oder Institute. Diese Vielfalt macht deutlich, dass Data Stewardship zwar vielerorts angekommen ist, die strukturelle und personelle Ausgestaltung aber noch nicht abgeschlossen ist. Die Dezentralisierung ermöglicht eine stärkere fachliche Anbindung an Forschende innerhalb verschiedener Fakultäten und lässt disziplinspezifische Anforderungen gezielter adressieren, steht jedoch im Kontrast zu einer Vereinheitlichung des Tätigkeitsprofils von Data Stewards.
Hinzu kommt, dass die Aufgabenbereiche von Data Stewards so breit gefächert sind, dass Zertifikatskurse zwar eine wichtige Grundlage für den Kompetenzaufbau bieten, aufgrund der Diversität der Tätigkeitsfelder aber keinen einheitlichen, universellen Qualifikationsstandard abbilden können. Gerade für disziplinspezifisches Datenmanagement an einzelnen Fakultäten bleibt die fachliche Ausdifferenzierung entscheidend. Hier kristallisierte sich der Bedarf an flexiblen Schulungsformaten heraus, die sich an die jeweiligen fachlichen und organisatorischen Anforderungen anpassen lassen.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der hohe Bedarf an Vernetzung, der von den Data-Steward-Koordinator_innen klar formuliert wurde: Viele Universitäten wünschen sich ein nationales Data-Steward-Netzwerk, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Standards zu entwickeln und die Professionalisierung des Feldes weiter voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund unterstreicht die Studie den Bedarf an klareren Strukturen, nachhaltiger Finanzierung und stärkerer nationaler Zusammenarbeit.
Zum Weiterlesen
Beck, L., Guseva, M. und Söser, B. (2026) „Data Stewardship an österreichischen Universitäten: Ergebnisse einer umfassenden Befragung zu Strukturen, Herausforderungen und Netzwerkbedarf“, Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare, 79(1). doi: 10.31263/voebm.v79i1.1049, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster.
Kontakt
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