Nachhaltigkeit ist fest in der Gesamtstrategie der TU Wien verankert und wird in fünf Handlungsbereichen mit klar definierten operativen Zielen umgesetzt. Damit gezielt und strukturiert Maßnahmen gesetzt werden können, braucht es eine verlässliche Grundlage: Nun liegt eine Treibhausgasbilanz vor, in der finale Daten aus 2023 und vorläufige Daten aus den Jahren 2024 bis 2025 berücksichtigt wurden. Sie liefert erstmals konkrete Zahlen: Sie zeigt, wo Emissionen entstehen, welche Bereiche besonders ins Gewicht fallen und wo bereits Fortschritte erzielt wurden. Lisa Unterrainer vom Datawarehouse Team der TU Wien hat gemeinsam mit einer Reihe von Kolleg_innen und Wissenschaftler_innen der TU Wien die Bilanz erstellt. Sie erklärt, wie die Bilanz erstellt wurde, wie die Ergebnisse aussehen und welche weiteren Schritte geplant sind.
Wie sieht die aktuelle Treibhausgasbilanz der TU Wien aus?
Lisa Unterrainer: Für 2023 können wir fix sagen, dass die TU Wien 29.020 Tonnen CO2-eq ausgestoßen hat. Mit dieser Einheit erfassen wir nicht nur CO2, sondern alle Treibhausgase (THG), umgerechnet in CO2-Äquivalente. Die wichtigsten Kategorien, die wir erfasst haben, sind Strom, Fernwärme und Mobilität (Dienstreisen und Pendler_innen).
Wie wird so eine Treibhausgasbilanz konkret erstellt?
Lisa Unterrainer: Diese Arbeit ist sehr umfangreich und bedarf der Hilfe unterschiedlicher Personen und Abteilungen. So hat uns die Abteilung Gebäude und Technik (Mag. Monika Ebner, GUT) wichtige Daten für die Mengen in kWh für Strom, Gas und Fernwärme geliefert. Die Daten zu unseren Neubauten kommen von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), die uns die verwendeten Mengen von Baustoffen genannt hat. Und auch die vom Institut für Verkehrswissenschaften (Prof. Günter Emberger) durchgeführten Mobilitätserhebungen fließen mit ein. Wir verwenden ein Tool, ClimCalc, mithilfe dessen wir diese Daten zu CO2-eq umgerechnet haben. Das ClimCalc-Tool haben wir von der Allianz der Nachhaltigen Universitäten in Österreich, der wir Ende letzten Jahres offiziell beigetreten sind, erhalten. Die Mengen in den jeweiligen Kategorien werden mit Emissionsfaktoren des Umweltbundesamts multipliziert (z.B. kWh bei Strom oder zurückgelegte Personenkilometer bei Dienstreisen). Nachdem die TU Wien über die letzten Jahre bereits ein umfassendes Datawarehouse mit weiteren relevanten Daten aufgebaut hat, war es zielführend, auf diesem aufzubauen und nur einmalig aufwändig, alle Daten zusammenzusuchen und gemeinsam darzustellen. Ab jetzt geht es nur mehr darum, diese Daten laufend zu aktualisieren.
Wie hat sich die Bilanz in den letzten Jahren entwickelt?
Lisa Unterrainer: Wir haben Bilanzen für die Jahre 2019–2023 und vorläufige Bilanzen für 2024–2025 erstellt. Eindeutige Vergleiche können wir schwer ziehen, weil wir die Bilanz auch weiterentwickelt haben und sowohl Berechnungen als auch Kategorien verändert haben. So wurden z.B. 2023 erstmals unsere Gebäude erfasst. Aufgefallen sind uns aber auffällige Einsparungen im Bereich der Mobilität im Jahr 2021 – ein Ausreißer, der auf die Pandemie und das damit einhergehende eingeschränkte Reiseverhalten zurückzuführen ist. Insgesamt steigen aber die Mobilitätsemissionen und waren 2023 wieder genauso hoch wie vor der Pandemie. Für das Jahr 2025 können wir jetzt bereits sagen, dass die Emissionen durch den Strom stark sinken werden, da die TU Wien seit letztem Jahr auf UZ 46 zertifizierten Strom umgestiegen ist, der nur noch aus erneuerbaren Quellen bezogen wird.
In welchen Bereichen ist die TU Wien besonders gut aufgestellt?
Lisa Unterrainer: Unsere gute Entwicklung beim Stromverbrauch habe ich angesprochen. Erwähnt werden sollte die regelmäßige Evaluierung der technischen Betriebseinstellungen und deren Anpassung für den realen Bedarf (beispielsweise für die Lüftungsanlage in den Laborbereichen durch die GUT). Spannend wird in den nächsten Jahren das Pendler_innenverhalten, da immer mehr Personen mit dem Rad in die Arbeit fahren: Je mehr Mitarbeitende und Studierende das tun, umso besser schaut unsere Bilanz aus. Projekte wie das cyclefit-Projekt oder die KlimaTicketförderung durch die TU Wien zielen genau auf diese Veränderung ab. Besonders im Bereich der Mobilität ist jede_r einzelne gefragt und kann einen Beitrag leisten. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Beschaffung und der Laborbetrieb – dazu wird aktuell eine LCA-Analyse durchgeführt (Bianca Köck, Fakultät Technische Chemie). Wir haben bereits erste Ergebnisse und Handlungsempfehlungen aus diesem Projekt, die wir demnächst im Rektorat diskutieren werden. Das Besondere daran ist, dass nicht nur THG-Emissionen analysiert werden, sondern auch andere Umweltauswirkungen wie etwa die Feinstaubbelastung – die Erhöhung der Treibhausgase ist nur eine der Umweltauswirkungen.
Wo besteht noch Handlungsbedarf und wie geht es weiter?
Lisa Unterrainer: Handlungsbedarf gäbe es z.B. bei Dienstreisen, die nach der Fernwärme die Hauptquelle der Emissionen sind. Wichtig ist dem Rektorat in einem ersten Schritt, die THG-Emissionen besser einzuordnen. Die Zahl der Mitarbeiter_innen ist in den letzten vier Jahren um knapp 10 Prozent gestiegen, weshalb wir die Emissionen künftig auch pro Kopf betrachten wollen. Zusätzlich setzen wir sie in Bezug zur sich verändernden Gesamtfläche der TU Wien. Weiters planen wir ein Energiemanagementsystem (Abteilung Gebäude und Technik), das demnächst an zwei Pilotstandorten implementiert wird. Darauf und auf der THG-Bilanz aufbauend wird in den kommenden zwei Jahren eine Roadmap erarbeitet, in der wir konkrete Einsparungspotenziale in den einzelnen Bereichen der Treibhausgasbilanz aufzeigen und somit von der Phase der Analyse und des Reportings zur Umsetzung von Maßnahmen kommen.
Links
- TUW-Treibhausgasbilanz
- Nachhaltigkeit an der TUW – Ziele
- cyclefit-Projektvorstellung
- Nachhaltiger Campus
- Allianz Nachhaltige Universitäten in Österreich
Kontakt
E-Mail: Lisa Unterrainer thg-bilanz@tuwien.ac.at

