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Zwei Visionäre, eine Zukunft: Die TU Wien Academy lud zu Public Lectures über die neue Ära der Weltraumerforschung

Im Herbst begrüßte die Academy zwei führende Vertreter der europäischen Raumfahrtentwicklung an der TU Wien. Dabei wurden spannende Einblicke in die Zukunft menschlichen Lebens und Arbeitens jenseits der Erde geboten – von Mond­siedlungen über interplanetare Reisen bis hin zu geopolitischen Veränderungen und Europas Rolle im globalen Wettlauf ins All.

Public Lecture mit Josef Aschbacher

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Public Lecture mit Jan Wörner

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Jan Wörner: Der Bau des ersten „Moon Village“ der Menschheit

Den Auftakt machte Jan Wörner, ehemaliger Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und aktueller Wissenschaftlicher Direktor des Frankfurt Institute for Advanced Studies. In seinem Vortrag „Moon Village – A real vision or just a stupid idea?“ beleuchtete Wörner eine der ambitioniertesten Visionen der modernen Weltraumforschung: eine permanente, internationale Siedlung auf dem Mond.

Er zeichnete die Entwicklung vom frühen Space Race und den Apollo-Missionen bis zur heutigen Ära des Space 4.0 nach und argumentierte, dass der Mond kein nostalgisches Ziel, sondern ein notwendiger Zwischenschritt für die tiefenraumorientierten Ambitionen der Menschheit ist. Wörner hob die technologische, wissenschaftliche und politische Zusammenarbeit hervor, die ein solches Dorf möglich machen soll – von der Lunar Gateway-Station bis zum Aufstieg kommerzieller Akteure wie SpaceX und dessen Starship-System.

Zentrale Erkenntnisse aus Wörners Vortrag:

  • Das Moon-Village-Konzept: ein offener, vielfältiger Knotenpunkt für Forschung, Rohstoffgewinnung und sogar Tourismus.
  • Mond vor Mars: Der Aufbau einer Mondbasis liefert Infrastruktur und Know-how, die für zukünftige Marsmissionen unerlässlich sind.
  • Missionen der nächsten Generation: Updates zum Artemis-Programm, dem Lunar Gateway und den sich weiterentwickelnden Beiträgen von SpaceX.
  • Space 4.0: Ein Paradigmenwechsel hin zu globaler Zusammenarbeit und Kommerzialisierung in der Raumfahrt.

Josef Aschbacher: Europas mutige Strategie für 2040

Im November durfte die TU Wien Academy ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher begrüßen, der einen zukunftsweisenden Vortrag über Europas Position in einem sich verschärfenden globalen Weltraumwettlauf hielt. Seine Präsentation zeichnete ein offenes Bild sowohl der Herausforderungen als auch der Chancen, mit denen Europa konfrontiert ist, während sich geopolitische Rahmenbedingungen verändern und der Wettbewerb zunimmt.

Aschbacher betonte die gewaltige transatlantische Finanzierungslücke – während die USA etwa 60 % der weltweiten öffentlichen Investitionen in die Raumfahrt tätigen, liegt Europa bei etwa 10 %. Trotz dieser Diskrepanz präsentierte er einen klaren und ambitionierten Fahrplan, um Europas strategische Autonomie und technologische Führungsposition bis 2040 zu stärken.

Von den ersten Flügen der Trägerrakete Ariane 6 bis zur Suche nach außerirdischem Leben mit Missionen wie JUICE oder dem Rosalind-Franklin-Rover zeigte Aschbacher, wie Europa sich als widerstandsfähiger und innovativer Weltraumakteur positioniert.

Zentrale Erkenntnisse aus Aschbachers Vortrag:

  • Launcher: Die Realität von Ariane 6 und Vega C in einem Wettbewerbsumfeld, das von SpaceX dominiert wird.
  • Exploration: Europas wissenschaftliche Missionen zu den Monden des Jupiter und die erneute Suche nach Leben auf dem Mars.
  • Geopolitik: Ein Wandel hin zu strategischer Unabhängigkeit, da die Abhängigkeit von NASA oder Russland zunehmend riskant wird.
  • Die entstehende Mondwirtschaft: ESAs Pläne für lunaren Frachttransport (Argonaut) sowie Navigations- und Kommunikationsdienste (Moonlight).

Ein Blick in das Morgen von heute

Die Public Lectures boten aufschlussreiche und inspirierende Einblicke in die rasant fortschreitende Zukunft der Raumfahrt. Ob bei der Vision einer lebendigen Gemeinschaft auf dem Mond oder der Skizzierung von Europas Strategie im globalen Wettbewerb – beide Vorträge unterstrichen dieselbe Kernbotschaft: Der Weltraum ist kein fernes Ziel mehr, sondern unmittelbar bevorstehende Realität – und Europa beabsichtigt an vorderster Stelle dabei zu sein.

Falls Sie die spannenden Vorträge verpasst haben oder sich nochmals anhören möchten, finden Sie die Audioaufnahmen hier: Jan Wörner Moon Village, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster und Josef Aschbacher Europe in Space, öffnet eine externe URL in einem neuen Fenster.

Die Public Lectures fanden im Rahmen des EMBA-Programms Space Architecture & Management, öffnet in einem neuen Fenster statt.

Die Public Lecture mit Jan Wörner wurde von der Stadt Wien Kultur gefördert.